Montag, 21 Dezember 2015 13:05

Pfandflaschen für das Buschkrankenhaus

Seit September 2013 sammeln die Schülerinnen und Schüler des Fachbereichs Gesundheit fleißig Pfandflaschen. Der Erlös geht an das Wasso-Hospital in Tansania, wo er zu 100 % für die Menschen vor Ort eingesetzt wird. In diesem abgelegenen Buschkrankenhaus weitab von größeren Städten im Norden Tansanias wird versucht, die Versorgung der größtenteils sehr armen Bevölkerung zu gewährleisten. Gleichzeitig bekommen junge Menschen dort die Möglichkeit, eine Ausbildung im medizinischen Bereich oder in der Verwaltung zu erhalten. Da kein Kranker abgewiesen wird, ist man natürlich auf Spenden angewiesen.

Einer der Verantwortlichen ist der aus Wasserburg stammende Arzt und Priester Dr. Thomas Brei. Anfang Oktober besuchte er seine „alte Heimat“ und informierte in Vorträgen über seine Arbeit. Wegen des sehr straffen Programms war es ihm leider nicht möglich, die Berufsschule zu besuchen und sich persönlich für die Unterstützung zu bedanken. Deshalb bekam die Klassenleiterin der GZ10C Frau Sabine Radmanić, den Auftrag, ein Interview mit den Fragen, die die Schülerinnen verfasst haben, zu führen. Hier nun die Fragen der Klasse und die Antworten von Herrn Dr. Thomas Brei:

 

Wie sind Sie auf dieses Projekt gekommen? -  Von Kindesbeinen an haben mich die Bilder vom Elend vieler Menschen in Afrika beeindruckt, besonders der Kranken und der Hungernden. Früh kam in mir der Gedanke auf, als Missionsarzt Entwicklungshelfer in Afrika sein zu wollen.

 

Wer unterstützt Sie? -  Glücklicherweise habe ich eine sehr solide Heimat und war über 10 Jahre lang in der Seelsorge in der Erzdiözese München und Freising tätig, so dass mich und meinen Werdegang viele Menschen kennen. Dem verdanke ich die vielen Unterstützer von zu Hause. Gleichzeitig hat das KH in Wasso, in dem ich mitarbeite, viele Freunde in Österreich, näher hin in Linz, von wo der Gründer des Spitals, Dr. Herbert Watschinger, stammte.

 

Wie viel haben Sie insgesamt in die Mission an Geld gesteckt (Startkapital)? -  Ich selber hatte v.a. Geld angespart, um mir bei Ankunft in Afrika ein geländegängiges Neufahrzeug kaufen zu können. Weiteres Startkapital als Zuschuss für den Fahrzeugkauf und den Transport eines Containers von zu Hause kam von der Erzdiözese München und Freising. Die Arbeit hier ist projektbezogen: Und jedes Projekt hat seinen eigenen Haushalt - zuerst müssen Mittel erbeten werden, dann können sie genehmigt werden und schließlich muss im Einzelnen über ihre Verwendung Rechenschaft abgelegt werden.

 

Wie viele Menschen werden durchschnittlich am Tag behandelt? -  Es sind um die 50 ambulante Patienten pro Tag. Dazu die stationären Patienten in 150 Patientenbetten.

 

Weshalb kommen die Menschen? -  Der Großteil der Kranken sind Kinder und schwangere Frauen. Kinder haben oft Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen, bei den Frauen sind es meist Schwangerschaftskomplikationen.

 

Haben Sie Familie? (wo und wie oft kommen Sie nach Deutschland?) -  Meine Mutter ist Witwe und wohnt allein zu Hause. Aber in den letzten 3 Jahren hatte ich die Freude, dass sie jeweils je 3 Monate zu mir nach Tansania auf Besuch kommen konnte. Ich selber bin ungefähr alle 2 Jahre gekommen - im Rückblick auf die 5 Jahre, seit denen ich nun in Tansania arbeite.

 

Wie viel verdienen Sie? -  Die Erzdiözese München und Freising zahlt mir den Gehalt eines Kaplans - von dem die Hälfte als Rücklage für eine evtl. Rückkehr nach D angelegt wird, die andere Hälfte wird ausbezahlt.

 

Wie ist Ihre Einstellung zu dem Land (Umstellung)? -  ALLES IST HIER GAAAAANZ ANDERS …

 

Wie ist dort die Wasserversorgung? -  Manche Gegenden sind extrem trocken und verwandeln sich jedes Jahr in Wüsten, wenn für ein paar Monate lang jeder Regen ausbleibt. Zugang zu sauberem Trinkwasser ist in Tansania nicht überall selbstverständlich.

 

Wie viele Mitarbeiter gibt es? Auch aus Deutschland? -  Im Krankenhaus in Wasso gibt es 150 Mitarbeiter vom Chefarzt bis zum Müllentsorger. In Mwanza arbeite ich mit einer ganz kleinen Crew von 7 Leuten und ansonsten nur freiwilligen Ärzten und Spezialisten (darunter 2 deutsche Frauen, die in Bugando Medical Centre angestellt sind).

 

Würden Sie in einem zweiten Leben dieses Projekt noch einmal machen oder etwas anderes? -  Ja, ich glaube, alles muss so sein und kommen wie es im Ratschluss Gottes recht ist.

 

Spenden? -  Spendenkonto bei der Kath. Kirchenstiftung Velden/Vils im Anhang.

 

Kann jeder dort mithelfen? -  Je mehr jemand improvisieren, sich selbst helfen und flexibel sein kann, ja. Auch ganz studierte Köpfte haben in diesem Umfeld Schwierigkeiten, wenn sie Ihre Lebenswelt nicht auf die tansanischen Verhältnisse „herunter brechen“ können.

 

Wie hat die Bevölkerung in Tansania auf Sie reagiert, als Sie das erste Mal dort waren? -  Jeder Weiße ist ein Anschauungsobjekt. Man kann sich mit seiner Hautfarbe nicht verstecken und ist mit seinem ganzen Tun und Handeln auf dem Präsentierteller.

 

Haben Sie die Sprache vorher oder dort gelernt? -  Ich habe 1995/96 Kiswahili gelernt. Als Autodidakt mit einem Lehrbuch.

 

Warum sind Sie nach Tansania und nicht woanders hin? -  Tansania ist ein Land mit vielen Gegensätzen: Auf der einen Seite arm, auf der anderen Seite reich an natürlichen Reichtümern. Tansania ist fast das Klischee des „richtigen Afrika“ mit dem Kilimanjaro, der Serengeti, dem Ngorongoro-Krater, Sansibar und den Massai.

 

Was ist Ihre Zielgruppe? -  Mittellose Menschen, die krank sind und keine medizinische Hilfe haben.

 

Was sind Ihre zukünftigen Projekte? -  Ich möchte, dass das Krankenhaus in Wasso gut läuft und zu einem modernen Krankenhaus mitten im Busch wird. Und dass aus dem Poor Clares Infirmary in Mwanza ein St. Clare Hospital wird.

 

Wie gehen Sie psychisch mit Ihrer Arbeit um? -  Zeit zum Verarbeiten der Eindrücke ist oft nicht. Ich hoffe nur immer, dass Gott mir Kraft und Gesundheit erhält, so dass ich möglichst viel vorwärts bringen kann.

 

Wie nehmen Sie Geld ein bzw. wer kommt für die Kosten auf z. B. bei armen Menschen? -  Manche Patienten können selbst einen finanziellen Beitrag leisten; wenige haben sogar eine Krankenversicherung. Ansonsten sind es die Spenden aus Europa, die die Behandlung mittelloser Menschen ermöglichen.

 

Sind Sie auch in Deutschland tätig? -  In D habe ich momentan kein Standbein - außerdem dass mich viele Freunde von dort aktiv in der Arbeit in Tansania unterstützen.

 

Wieso haben Sie Medizin studiert? -  Weil Medizin dem Menschen und seinem Leben dient. Wichtiger als die Gesundheit des Leibes ist nur noch die der Seele - aber bei Letzterer sind wir noch mehr auf Gott angewiesen als bei Ersterer.

 

Wie und wo wohnen Sie in Tansania? -  In Mwanza wohne ich bei der Klinik „Poor Clares Infirmary“ und in Wasso im entlegenen Busch des Ngorongoro gibt es Unterkunft in einem Haus auf dem Krankenhausgelände.

 

 

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